Am 27.06.1901 kamen 79 Reedereien im Konferenzsaal der Hamburger Handelskammer zur konstituierenden Sitzung des Schutzverein Deutscher Rheder zusammen. Ihr Ziel war die Gründung der ersten berufsständischen Selbsthilfeorganisation in Deutschland, die ihren Mitgliedern Rechtsschutz gewähren sollte. Dabei orientierte man sich am Vorbild Großbritanniens, wo "Protection and Indemnity Clubs" (P & I Clubs) häufig ihren Mitgliedern eine zusätzliche Rechtsschutzdeckung ("Freight, Demurrage and Defence class") anboten. Eine Vielzahl deutscher Reedereien war Mitglied dieser englischen Clubs und die Gründung des Schutzvereins entsprang dem Wunsch, eine solche Organisation in Deutschland ins Leben zu rufen.

Im Gründungsjahr 1901 schlossen sich 79 Reedereien mit 242 Dampfschiffen und 127 Segelschiffen (Gesamttonnage: 497.054 BRT) dem Schutzverein an. Im ersten Teiljahr wurden 43 Streitigkeiten aus Frachtverträgen bearbeitet, gelöst oder ausgefochten. Mit 710.175 BRT erreichte die versicherte Tonnage 1906 einen Höhepunkt, der erst 1924 wieder erreicht wurde. Kurz vor Ausbruch des Krieges 1914 belief sich die beim Schutzverein versicherte Tonnage auf 573.343 BRT. Sie befand sich damit in etwa auf dem Niveau von 1901.

Nach dem ersten Weltkrieg und dem Versailler Friedensvertrag war der Bestand der deutschen Handelsmarine auf kleine Schiffsgrößen von insgesamt 673.000 BRT reduziert. Die 107 Reedereien mit 442 Schiffen, die der Schutzverein zu diesem Zeitpunkt zu seinen Mitgliedern zählen durfte, repräsentierten ca. die Hälfte der verbliebenen deutschen Flotte. Bis zum Jahr 1926, dem Jahr des 25-jährigen Bestehen des Schutzvereins, waren insgesamt mehr als 6.000 Streitfälle bearbeitet worden.

Nach wirtschaftlich schwierigen Jahren belief sich die Anzahl der Mitglieder im Jahre 1933 auf nur noch 103. Unter dem Hitlerregime sah sich die Schiffahrt einer starken Kontrolle durch Parteiorganisationen ausgesetzt. Es wurde die neue Position des "Reichskommissar für die Seeschiffahrt" geschaffen, und Ernennungen im Vorstand des Schutzvereins waren behördlich abzusegnen. Im Jahr 1936 erreichte die Anzahl der Mitglieder mit 314 Schiffen einen Tiefpunkt. Dem Verein blieb dennoch genug zu tun, auch nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Frachtverträge waren auszulegen, Kriegsfolgen zu beurteilen und Reederrechte gegenüber Willküranordnungen von Kriegsmarinedienststellen durchzusetzen.

Bereits im Jahre 1946 wurde dem Schutzverein durch die Militärregierung die Erlaubnis erteilt, wieder aktiv zu werden, da er bereits vor 1933 existiert hatte. Der Neustart gestaltete sich allerdings schwierig. Nachdem ein Großteil der verbliebenen Schiffe gezwungenermaßen an die Alliierten zu übergeben war, belief sich die von deutschen Reedereien kontrollierte Tonnage auf nicht mehr als 442.138 BRT - ein Wert, der ein Drittel unter dem von 1919 lag. Ende 1948 waren 129 Reedereien mit 124 Schiffen (ca. 62.000 BRT) Mitglied des Schutzvereins. Der Wiederaufbau der deutschen Handelsflotte gestaltete sich schwierig und langwierig, sodass ausländische Schiffe aushelfen mussten, die auf Zeit eingechartert wurden. Die Erlaubnis zum Bau von deutschen Küstenschiffen wurde durch die Alliierten im April 1949 erteilt, doch es dauerte bis 1951, bis dies auch für Seeschiffe ohne Einschränkungen der Fall war. Vor diesem Hintergrund wurde beim Schutzverein die "persönliche Mitgliedschaft" für Reedereien eingeführt,

die zeitweise über keine eigene Tonnage verfügten. Gleichzeitig trat eine große Anzahl von kleineren Küstenschiffsreedern dem Verein bei und war im Vorstand vertreten.

Es folgten 25 Jahre soliden Wachstums für den Schutzverein. 1964 wurde die 400er Grenze mit 410 Schiffen (580.063 BRT) überschritten. 1973 wurde der Verein "Tonnagemillionär".

Seit Mitte der 80er Jahre übertrifft die Anzahl der Streitigkeiten in der Kategorie "Zeitcharter" die der Streitigkeiten unter Reisefrachtverträgen - eine Konsequenz aus der großen Anzahl von Containerschiffen, die auf Zeit verchartert sind. Seit Beginn des Jahres 1988 ermöglicht es eine Änderung des Satzung, Schiffe aufzunehmen, die von deutschen Reedereien im Ausland gemanagt werden.

Am Ende des letzten Jahrhunderts unterstützte der Verein die globalen Aktivitäten seiner Mitglieder mit Hilfe von Korrespondenten in 139 Häfen von Abu Dhabi bis Seebrügge und spezialisierten Anwälten in 39 Städten von Alexandria bis Toronto.

Zum Zeitpunkt der Jahrtausendwende waren 987 Schiffe beim Schutzverein versichert, und die magische Zahl 1.000 wurde nur wenige Monate später überschritten. Zum Zeitpunkt des 100jährigen Jubiläums am 27.06.2001 lag die Schiffszahl bei 1.089, was einem Anstieg von 506, d. h. nahezu einer Verdopplung, im Verlauf der vorangegangenen 25 Jahre entsprach.

Zum heutigen Zeitpunkt (1.01.2016) liegt die Zahl bei 1.588 Schiffen mit 36.758.706 BRZ.